Koordination

Der eine „hat es eben“, der andere ist leider „untalentiert“ – so lautet eine weit verbreitete Meinung. Doch Geschicklichkeit und Koordination sind zu einem hohen Grad erlernbar, man muss nur wissen wie.

Die allgemeine Koordination eines Sportlers hängt in hohem Maße von einer gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen rechter und linker Gehirnhälfte ab. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung einer integrierten Hemisphärentätigkeit sowohl im intellektuellen als auch im körperlichen Bereich. In wenigen Sportarten ist die Wichtigkeit der Schaffung einer breiten koordinativen Basis erkannt und auch mit maximaler Effizienz im Trainingsalltag umgesetzt worden. Das mag auch daran liegen, dass Ursachen und Auswirkungen von koordinativen Defiziten bei (Leistungs-)sportlern manchmal nicht so leicht zu erkennen sind. Besonders dann nicht, wenn sie nur einzelne Teilleistungsbereiche betreffen. Vor allem fehlt aber in der herkömmlichen Trainingslehre vielfach das Hintergrundwissen um die Auswirkungen von mangelhaften koordinativen Teilleistungen auf die Wettkampfstabilität.

Nach einer modellhaften Darstellung ist jede Gehirnhälfte in einem neurologischen Überkreuzfluß (zu ca. 90%) für die Ansteuerung der gegenüberliegenden Körperseite zuständig. Die linke Hemisphäre steuert daher den rechten Arm, das rechte Bein, das rechte Auge und Ohr und umgekehrt. Die Verbindung zwischen beiden Gehirnhälften stellt der Balken (corpus callosum) her. Von der „Durchlässigkeit“ dieses Balkens hängen die Qualität des Informationsaustausches und damit die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten ab. Es kommt vor, daß bei Sportlern mit koordinativen Reserven diese Verbindung ganz oder teilweise blockiert ist. Eine Körperseite wird während einer Bewegung vom Zentralnervensystem sehr gut angesteuert während kurzzeitig der Informationsfluß zu Teilen der anderen Seite reduziert ist oder ganz fehlt. Ein typisches Erscheinungsbild ist der unkoordinierte Einsatz des Gegenarms (unkontrolliertes Herumschlenkern, dagegen arbeiten, an den Körper pressen) während eines Wurfes oder Schlages mit dem Gebrauchsarm. Auch der ungleiche Armeinsatz beim Laufen kann ein Erscheinungsbild davon sein.

Eine gute Koordination widerspiegelt sich nach ganz allgemeinen Kriterien in harmonischen, fließenden Ganzkörperbewegungen. Sie beinhaltet Geschicklichkeit, Flexibilität im raschen Erfassen und adäquatem Reagieren auf überraschende, schnell wechselnde Wettkampfsituationen, Übersicht, Gleichgewicht und Bewegungseleganz.

Dafür sollten verschiedene Teilleistungssysteme (® Sportarten) optimal zur Verfügung stehen:

In einem Analysecheck wird die Verfügbarkeit dieser Teilleistungssysteme allgemein und sportartspezifisch mit Hilfe verschiedener Bewegungsaufgaben und des kinesiologischen Muskeltests festgestellt. Die Art der Bewegungsausführung und die Reaktion der Testmuskeln geben Aufschluß darüber, welche Anforderungen dem Körper Streß bereiten. Diese defizitären Bereiche stellen die Reserven des Sportlers dar, an die mit herkömmlichen Trainingsmethoden nicht oder nur sehr schwer heranzukommen ist. In einer anschließenden kinesiologischen Balance (® Sportkinesiologie) werden diese Potentiale geöffnet, das heißt einzelne Teilleistungen aktiviert und ins Gesamtsystem integriert.